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19.08.2008

Vorher schon gewonnen: Jetzt wollen Taekwondoka mehr

Peking. Die deutschen Taekwondoka standen mit dem Rücken zur Wand, doch den wichtigsten Kampf haben sie bereits vor Olympia gewonnen. Trotz der verpassten Athen-Qualifikation ist der Rauswurf aus dem Förderprogramm des deutschen Sports abgewendet worden. «Über unserem Sport schwebte das Damoklesschwert», sagt Teamchef Markus Kohlöffel.

Mit großer Motivation und voller Selbstbewusstsein sehen die Taekwondoka ihrem Olympia-Comeback, das morgen beginnt, in Peking entgegen. «Wir stehen hier mit vier starken Leuten und haben schon durch die Qualifikation der maximal möglichen Zahl an Athleten nachgewiesen, dass wir zu Recht nach Athen weiter finanziell gefördert worden sind», sagt Kohlöffel. Die drei Europameister Helena Fromm (München/bis 67 Kilogramm) Sümeyye Gülec (Nürnberg/49) und Levent Tuncat (Laar/58) sowie der EM-Dritte Daniel Manz (Friedrichshafen/68) haben laut Kohlöffel «alle das Zeug, um in den Medaillenkampf einzugreifen».

Bisher ist das von Faissal Ebnoutalib (Offenbach) in Sydney bei der Olympia-Premiere des fernöstlichen Kampfsports (Tae-kwon-do wird mit Fuß-Faust-Weg übersetzt) gewonnene Silber die einzige deutsche Olympia-Medaille.

Große Hoffnungen ruhen diesmal auf Levet Tuncat. Der dreimalige Europameister steht gleich am ersten der vier Wettkampftage auf der Matte der Pekinger Universität für Wissenschaft und Technik. Acht Tage nachdem an gleicher Stelle Judoka Ole Bischof (Reutlingen) Gold eroberte, will auch der gerade 20-Jährige ganz oben auf dem Treppchen stehen. «Ich bin extrem ehrgeizig», meint der Youngster. «Mein Ziel heißt Gold, alles andere ist mir zu wenig.»

Teamchef Kohlöffel verweist stolz darauf, dass seine Taekwondo-Truppe die jüngste aller deutschen Mannschaften ist. Sümeyye Gülec (18) war schon als 15-Jährige 2005 WM-Dritte. Helena Fromm (21), Daniel Manz (20) und Levet Tuncat standen allesamt bereits 2003 im Finale der Junioren-WM.

«Wir haben unsere besten Nachwuchs-Leute kontinuierlich nach vorne gebracht. Sie haben den Generationswechsel durch ihre überragenden Leistungen problemlos vollzogen und wollen nun natürlich Medaillen», meint der auch als Frauen-Bundestrainer fungierende Markus Kohlöffel. Größtes Risiko sei die Unerfahrenheit der Mannschaft, die wohl erst in vier Jahren in London auf dem Zenit ihres Könnens sei.

Zumindest bis dahin ist auch die olympische Zukunft des im Programm der Spiele seit jeher umstrittenen Kampfsports gesichert. 1988 und 1992 war Taekwondo Demonstrationssportart, wurde dann aufgenommen und sieht sich seitdem dem Druck anderer fernöstlicher Kampfformen wie Karate, Sumo oder Kendo ausgesetzt, die auch immer wieder zu den Olympischen Spielen drängen.


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